2022

Theater

BETROGENE JUGEND

mit Ergebnissen aus der Workshopreihe KUNDST&NACHHALTIGKEIT

Premiere 30.Juni 2022 DORLESCHAEFERHALLE im Alten Kalkwerk

Konzept, Text, Regie

.

Zeit: 

Nahe Zukunft also ca. 2050

Ort*e:

Die Filmischen Orte und die Orte unserer performativen Reise in öffentlichen Verkehrsmitteln:

Holler Westerwald

http://www.holler-westerwald.de

Höhr-Grenzhausen

https://www.hoehr-grenzhausen.de / https://de.wikipedia.org/wiki/Höhr-Grenzhausen

Melsbach

https://www.gemeinde-melsbach.de / https://de.wikipedia.org/wiki/Melsbach

Rheinbrohl

https://rheinbrohl.de / https://de.wikipedia.org/wiki/Rheinbrohl

Bad Breisig

https://www.bad-breisig.de/Rathaus/Aktuelles / https://de.wikipedia.org/wiki/Bad_Breisig

Ahrweiler  

https://www.bad-neuenahr-ahrweiler.de / https://de.wikipedia.org/wiki/Ahrweiler

Wir haben einen Weg in die Katastrophe gelegt und das oben sind unsere Wegpunkte. Der Besuch dieser Orte mit öffentlichen Verkehrsmitteln soll aus der Perspektive unsrer Figuren geschehen.

Bühnenbild:

Der Ort in dem unser Stück spielt ist ein Zwischending zwischen Lebensmittellager und Bettenbunker, eindeutig dem Katastrophenschutz zuzuordnen. Siehe Regierungsbunker Ahrweiler

https://de.wikipedia.org/wiki/Regierungsbunker

Assoziationen Sammlung: 

Lager / Lagerung / zur Disposition / jederzeit abrufbar / warten / Katastrophen Architektur / spartanisch / tatenlos / abgestellt / nicht abgeholt / warten auf bessere Zeiten / Notration / gleiche Bedingungen für alle / Machen wollen / (Rache?) Expedition starten / Zynisch / Religion Glauben / zwei Stunden Schlaf / Es gibt jede menge Uhren / irgendeine Zeit läuft ab / Zeitabhängig / Zeit ist ein Mitspieler / Schilder mit Texten

Figuren:

Um uns vor der Aktualitätsfalle zu schützen und unser Thema in einem großen Zusammenhang zu betrachten schlage ich literarische und historische Figuren vor.

Iphigenie (Euripides) (ca 1200 b.C)

https://de.wikipedia.org/wiki/Iphigenie

ist die Tochter der Klythemnestra und des Agamemnon. Letzter ist König von Sparta oder Mykene (Peleopenes). Obwohl sie vielfach literarisch und filmisch präsent wurde, bleibt sie als Figur doch seltsam blass, ohne eigene Initiative. Sie ist in allen Geschichten immer das Opfer, egal ob von Menschen oder vom Schicksal. Um ihre Wesen zu erfassen muss man ein wenig die Geschichte ihrer Familie betrachten. Ihren Vater Agamemnon muss man als brutales Scheusal bezeichnen. 

Klythemnestra (eine Schwester von Helena) war bereits verheiratet und hatte einen Sohn. Da Agamemnon mit der Familie ihres Mannes im Streit lag, tötete er ihn und ihren Sohn während eines Gastmahls, zahlte Tyndareos (Vater von Klythemnestra) ein Blutgeld und heiratete sie. 

Das war die Basis dieser Ehe. Er zeugte mit Klythemnestra weitere drei Kinder: Chrysothemis, Orts und Elektra. 

Später, nachdem Helena mit Paris nach Troja abgehauen war, plante und organisiert er den Krieg um sie zurück zu gewinnen. Da Troja große geostrategische Bedeutung hatte, ist eher wahrscheinlich, dass er den „Raub“ der Helena eher als Vorwand nahm. Sammelpunkt für die Flotte von 1000 Schiffen war die Hafenstadt Aulis in der Nähe von Theben (Böotien). Um den Haufen ruhmsüchtiger Kleinkönige auf den Krieg einzustimmen erfand er die Geschichte von Artemis, die ihm den Wind nach Troja verweigere. 

Er lockte Iphigenie mit dem Ehe-Versprechen von Achilles (bester Kämpfer und Göttinensohn) nach Aulis, schnitt ihr da die Kehle durch und hängte sie an den Füßen über dem Altar der Artemis auf. 

Agamemnon tat das um klar zu stellen auf welche Weise er den Krieg zu führen gedenke: nämlich mit allen Mitteln. 

Angeblich hat Artemis (Göttin der Jagd) sie gerettet und an ihrer Stelle ein Hirschkuh geopfert. Sie hat Iphigenie nach Tauris (Kroatische Insel oder die Krim) gebracht wo sie Artemis Priesterin (Jungfrau) im Tempel wurde. Dort musste sie sich gegen König Thoas Zudringlichkeiten wehren. 

Ihr Vater Agamemnon, der mit Kassandra (Tochter des Königs von Troja und Seherin) als Kriegsbeute nach Hause kam, wurde zwischenzeitlich von Klythemnestra und ihrem Geliebten Aigystos im Bad mit dem Beil erschlagen. Elektra (Schwerster von Iphiohgenie) drängt Orest ihren Bruder diesen Mord zu rächen. Jahre später tut er das und bringt seine Mutter um. Nun ist er es der vor den Rachegeistern (der Erinnyen) flieht. Schließlich taucht ihr er in Tauris auf um dort die Statue der Artemis zu klauen. Iphigenie erkennt Ihren Bruder und sie fliehen gemeinsam nach Sparta.

In ihr sind die Aspekte der Verfügungsgewalt (des Vaters über sie), der Zwangsverheiratung, des Menschenopfers und ganz sicher des Betrugs angelegt. Sie wurde ja nicht nur um ihr Leben betrogen, sondern damit auch noch für einen Krieg missbraucht, der eine ganze Generation junger Männer auslöschte.

.

Romeo (aus Romeo & Julia) Vincent Misch

Romeo ist der Sohn der berüchtigten Familie Montagues. Größte Feind der Familie sind die Capulets. Doch als er die Tochter der Capulets, Julia, kennenlernt, kann er seine Gefühle für sie nicht im Zaum halten. Der Krieg zwischen den verfeindeten Familien hindert die Liebenden an ihrer Liebe. Somit verstecken die Protagonisten ihre Partnerschaft zueinander, lassen sich hinter versteckten Türen vermählen. Die Hoffnung auf Frieden zwischen den Familien sinkt jedoch, als in einem Kampf zwischen Julias Cousin Tybalt und Romeo, Tybald umkommt. Romeo wird deshalb aus der Stadt verbannt. 

.

Julia (aus Romeo & Julia)  Tainah Jopp

Gegen Ende der Geschichte entscheidet sich Julia einen Schlaftrunk zu sich zu nehmen, welcher Sie in einen todesähnlichen Zustand versetzt. Unwissend findet Romeo seine Geliebte auf, glaubt sie tot und schluckt deshalb Gift und stirbt an ihrer Seite. Nachdem Julia entsetzt erwacht, kann sie den Schmerz nicht länger aushalten und ersticht sich schließlich mit Romeos Dolch.

.

Pocahontas Tainah Lissi Jopp

(* um 1595 in Virginia; † 21. März 1617 in Gravesend, südöstlich von London) wurde als Lieblingstochter eines Indianerhäuptlings zur Vermittlerin zwischen den Stämmen der Virginia-Algonkin und den englischen Kolonisten. Sie bildet den historischen Kern eines Geschichtsmythos über die angeblich friedliche Besiedlung Nordamerikasdurch die Europäer.

Bekannt unter anderen Namen: Amonute und auch Matoaka (Pocahontas war ihr Spitzname, übersetzt: Die Verspielte), Rebecca

Pocahontas hatte als eine der Lieblingstöchter des Häuptlings einen gewissen Einfluss auf ihn. Während er und die soziale Gruppe der Krieger die Anwesenheit der Weißen zunächst nicht dulden wollten, war Pocahontas der Meinung, dass eine friedliche Koexistenz und ein Austausch der Kulturen möglich sein müsse. Außerdem half sie den europäischen Siedlern in Amerika, ihre Ernährungssituation zu bessern, indem sie ihnen beibrachte, welche Pflanzen essbar waren.

1613 lockten die Engländer Pocahontas bei Stafford auf ein Schiff. Dort wurde sie zunächst als Geisel gefangen gehalten. Während der Zeit ihrer Gefangenschaft wurde sie von Alexander Whitaker christlich unterwiesen, sie konvertierte zum Christentum, wurde getauft und „Rebecca“ genannt. Unter Historikern herrscht Unklarheit darüber, ob die Taufe freiwillig oder erzwungenermaßen stattfand. 

1614 heiratete sie den Virginia-Pflanzer John Rolfe. (William Strachey bemerkte 1616, dass Pocahontas vor ihrer Ehe mit Rolfe zwei Jahre lang mit einem Krieger namens Kocoum verheiratet gewesen sei (mit diesem ein Kind namens Ka-Okee gehabt habe, das von den Patawomecks aufgezogen worden sei). Weitere Hinweise gibt es nicht; und es gibt eine Kontroverse darüber, ob Strachey von Rolfe gesprochen hatte) Sowohl Pocahontas als auch Rolfe betonten, nicht aus Fleischeslust geheiratet zu haben. Vielmehr war in der sozialen Schicht von Pocahontas das Heiraten aus politischen Gesichtspunkten üblich. Pocahontas hoffte nach eigenen Worten, mit ihrer Heirat zur Sicherung des Friedens und zum freundschaftlichen Miteinander der Kulturen beizutragen sowie die soziale Stellung ihrer Familie zu festigen.

1615 wurde ihr Sohn Thomas Rolfe geboren. 

1616 wurde Pocahontas als einzige vom englischen Königshaus anerkannte „Indianerprinzessin“ und Botschafterin ihres „königlichen“ Vaters Powhatan bei Hofe empfangen. Aufgrund ihrer Anmut und ihres aufgeweckten Geistes war sie unter den Adeligen sehr beliebt; dennoch missbilligte der Hof Rolfes Heirat mit Pocahontas, da dieser im Gegensatz zu ihr nicht von königlichem Geblüt war. 

Pocahontas, jetzt Rebecca Rolfe genannt, verstarb kurz vor dem Antritt der Rückreise nach Virginia in Gravesend (im Nordwesten der Grafschaft Kent). Als Ursache für ihren frühen Tod werden je nach Quelle Lungenentzündung, Tuberkulose, Typhus oder die Pocken genannt.

.

Gretel (aus Grimms Märchen) Luana Jäger

Eine arme Köhlerfamilie, Händel, Gretel, Vater und die Stiefmutter. Es herrscht eine Hungesnot und wie das so ist bei den bösen Stiefmüttern, sie will die zwei Mitesser los werden, also überredet sie ihren Mann die beiden beim nächsten Arbeitseinsatz im Wald einfach zu vergessen. 

Gretel die das anscheinend mitbekommen hat, rüstet ihren Bruder mit Kieselsteinen aus. Die streuen sie und finden so den Weg wieder nach Hause. Beim zweiten mal funktioniert das nicht mit den Kieselsteinen (warum?) und Hänsel streut Brotkrumen anstatt dessen (wo hatte der das Brot her, es war doch Hungersnot?). Die Tiere des Waldes nicht dumm, bedienen sich derselben, so dass die Spur für den Rückweg nicht mehr zu finden ist. 

Im Wald herum irrend kommen sie an ein Pfefferkuchenhaus (Pfefferkuchen, wie der wohl schmeckt, scharf?). Hier können sie sich nicht zurück halten, brechen Stücke davon ab und essen sie. Wie das aber so ist bei Arbeiten am Haus, man hört es in jedem Zimmer (wenn schon das Bohren eines Loches so laut ist, wie laut muss das Anbeißen sein). Eine alte Dame, schon recht buckelig, mit einer Menge Warzen und zigeunerartigen Kleidern öffnet die Tür um nachzuschauen wer da an ihrem Häuschen knuspert. Sie entdeckt die beiden Kinder und lädt sie ein in die warme Stube zu kommen. Wie das genau geschehen ist, kann ich nicht mehr erinnern, aber schließlich machte sie Gretel zu ihrer Haussklavin und Hänsel steckte sie in einem Zwinger. Gretel musste täglich Essen kochen und damit Händel mästen. Die alte Dame, die nicht mehr richtig sehen konnte, bat Hänsel immer um seine Hand damit sie feststellen könne ob er wohlgemästet (schlachtreif) sein. Gretel gab ihm den Tip einen herumliegenden Knochen (Menschenknochen?) hinzuhalten. Damit verhinderte der inzwischen wohlgenähte Junge (er konnte sich ja auch nicht bewegen in dem Käfig) seine wahre körperliche Kondition zu offenbaren. Schließlich wurde es der alten Dame zu bunt (man mästet ja auch ein Schwein nicht ewig, es muss da ja ein Gleichgewicht von Futtereinsatz und Fleischgewinnung geben) und beschloss ihn zu braten (am Stück?). Hierfür sollte Gretel den Ofen einheizen. Wie haben wir uns das vor zu stellen? Ist das etwa so etwas wie ein Pizza- oder Brotofen in dem man ein Feuer entfacht bis er heiß genug ist, dann Glut und Asche herausnimmt um dann das Brot, oder in diesem Fall den Braten ein zu schieben? 

Gretel jedenfalls tut wie ihr geheißen, als die alte Dame dann nachschauen wollte (konnte sie also doch genug sehen?) ob der Ofen bereits genug Hitze hatte, schubste Gretel (sie muss inzwischen ja auch kräftig genug geworden sein) die alte Dame ins Feuer. Sehr hoch kann das Feuerloch nicht gewesen sein, sonst hätte sie das bestimmt nicht geschafft. Oder die alte Dame war doch sehr leicht, dann aber hätte sie für die beiden kräftigen Kinder keine Gefahr dargestellt. Hier sind eine Menge Ungereimtheiten; eine davon ist, warum mitten in einer Hungersnot eine alte Dame die Mitten im Wald wohnt, genug Essen auf den Tisch bringen kann um ein, wenn nicht zwei Kinder, dick zu mästen. 

Wie ist Gretel an den Schlüssel für den Käfig gekommen, hatte die alte Dame den nicht in ihrer Tasche? Wenn ja musste sie erst warten bis die Frau ganz verbrannt war (ich will nicht wissen was beim öffnen des Ofens noch übrig war) jedenfalls holt sie den Schlüssel und befreit ihren Bruder. Dann verlassen sie das Haus und gehen nach Hause (ach ja, auf einmal wissen sie wos lang geht?). Dort erwartet sie der Vater und ist glücklich sie wieder zusehen (warum?). Die Stiefmutter ist inzwischen gestorben (woran? oder hat Gretel sie auch ermordet?) und sie lebten glücklich (?) bis an ihrer Lebensende; die mordlustige Gretel, der verfettete Hänsel und der Vater der seine Kinder im Wald ausgesetzt hat… 

Obwohl Gretel ein kluges vorausschauendes Mädchen ist (Hänsel scheint eher schwerfällig oder wesentlich jünger zu sein), sind ihr die offensichtlichen Widersprüchlichkeiten nicht bewusst geworden (oder?). Könnte es sein, dass sie die Geschichte erfunden hat und die beiden nur weggelaufen sind? Das würde auch erklären warum sich der Vater über ihre Rückkehr freute. Im Märchen werden Brutalitäten von den „Guten“ nie brutal dargestellt. Aber was Gretel mit der alten Dame (die ja nicht richtig sehen konnte) getan hat, braucht einiges an Brutalität. Sie überschritt eine Menge innerer Grenzen um diesen Mord begehen zu können. 

Gleichviel es hat einen Grund gegeben ab zu hauen und Gretel hat einen Hass auf die „Alten“. Wir haben hier Waldabholzung, Brandrodung, eventuell Kinderarbeit (auch im Wald) und wir haben so etwas wie Missbrauch, wenn das Pfefferkuchenhaus ein Schloss oder die ähnliche reiche (und süßliche) Residenz einer perversen alten Frau war (Charles Dickens „Große Erwartungen“), die sich ein paar arme Waisenkinder zum eigenen Vergnügen hielt. Mästen, verkaufen, essen, missbrauchen liegt da nahe beieinander. 

Ergänzung: Tatsächlich ist es Händel der die Idee mit den Kieselsteinen und dem Brot hat. Nachher wird aber Gretel die handelnde, es ist also auch eine Emanzipationsgeschichte.

Helena von Troja  Chiara Schmelz

https://de.wikipedia.org/wiki/Helena_(Mythologie)

hat eine etwas obskure Herkunft. Sie ist die Tochter des Zeus mit der Königin Leda. Zeus hatte dabei die Gestalt eine Schwanes angenommen und Leda sowie ihre beiden Brüder Kastor und Pollux schlüpften jeweils aus einem Ei. Helena war berühmt die Schönste Frau ihrer Zeit zu sein und wurde mehrfach entführt, auch von ihrem Ziehvater Tyndareos. Schließlich schrieb man sie auf dem Heiratsmarkt aus, was eine Menge wichtiger Leute gemeinsam mit ihrem Gefolge (und das waren jeweils tausende) auf den Plan brachte. Sie lagerten um die Burg des Tyndareos dem König von Sparta, plünderten die Dörfer und belauerten sich gegenseitig. Agamemnon war für seinen Bruder Menelaos gekommen und Tyndareos war von seine Brutalität so beeindruckt oder verängstigt, dass er Agamemnon Helena für Menelaos zusagte. Odysseus löste mit dem Rest der Bewerber Problem indem er alle verpflichtete demjenigen zu helfen der Helena schließlich bekommt. Das war dann die Koalition die mit Agamemnon nach Troja segelte. 

Beim einem Besuch des Paris, Prinz von Troja, bei Menelaos verliebte sie sich und floh mit ihm nach Troja. Tatsächlich war sie ein Wettgewinn. Die drei Göttinen Hera, Athene und Aphrodite stritten sich um einen goldenen Ball, den Zeus der schönsten versprochen hatte. Als Schiedsrichter wählten sie den schönsten Sterblichen Mann Paris, Sohn des Priamos, König von Troja. Hera versprach Paris unendliche Macht, Athene dass er jeden Kampf gewinnen werde, hatte Aphrodite versprach ihm die schönste Frau, Sie verliebte sich also in ihn und fuhr mit ihm nach Troja. 

Daraufhin setzte Agamemnon die Koalition in Bewegung. Odysseus versuchte sich noch zu drücken indem er verrückt spielte, aber er wurde enttarnt. Andere die sich weigerten wurden als erste überfallen, geplündert und umgebracht. Dann sammelte sich die Koalition in Aulis. (siehe Oben).

Am Ende des 10 jährigen Krieges wird sie quasi als Beute nach von Menelaos Hause gebracht. 

In Eurypides Troerinnen will Menelaos sie hinrichten. https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Troerinnen

Helena ist von Beginn an eine Art Trophäe, ein Statussymbol. Bereits von ihrem Stiefvater entführt gehört sie allen möglichen Männern, nur nicht sich selbst. Es war sicher leicht, nach all den brutalen Kriegern, sich in den schönsten Mann zu verlieben. Jedenfalls hat sie soviel Mut, dieser Liebe zu folgen. 

.

Schneewittchen (aus Grimms Märchen) Leni Rode

Ist zunächst mal eine Neidgeschichte, die Stiefmutter (automatisch böse und zweitschönste) vergleicht sich mit einem siebenjährigen Kind. Tatsächlich wird von Sneewittchen (wie sich sich schreibt) zunächst nichts erzählt, außer dass sie den drei Schönheitskategorien weiß wie Schnee, rot wie Blut (im Schnee) und schwarz wie Ebenholz (denn daraus war das Fenster – hä, wer mach Fenster aus Ebenholz? Das ist so schwer zu bearbeiten, dass ich bezweifle, dass irgendjemand daraus jemals ein Fenster gemacht hat). 

Also, die Stiefmutter befiehlt einem Jäger das Kind in den Wald zu führen, es zu schlachten, Lunge und Leber raus zu schneiden und als Beweis mit nach Hause zu bringen. Der hat aber Skrupel, lässt das Kind laufen, tötet statt dessen einen Frischling (junges Wildschwein) und bringt dessen Lunge und Leber nach Hause. Die Stiefmutter betätigt sich nun als Kannibalin, kocht Lunge und Leber und isst sie auf. Das ist krass und man kann sich schon fragen was das bedeuten soll, oder warum sie sich Lunge und Leber des schönen Mädchens einverleibt.  

Bis hier hin wissen wir immer noch nichts über Sneewittchen. 

Die irrt durch den Wald bis sie zu dieser Hütte kommt, eintritt – Moment mal, war die Tür auf? oder hat sie die aufgebrochen. Hier findet sie einen gedeckten Tisch mit sieben Tellerchen. Erstaunlicher Weise waren auf den Tellerchen Brot und Gemüse und in den Becherchen war Wein. 

Wer lässt denn sein Essen auf dem Teller, oder waren das Reste? Was waren das für Typen die sieben… 

Ok, egal, sie bedient sich ohne zu fragen, isst mal hier mal da, trinkt mal hier mal da. Am Ende ist sie so betrunken (mit 7 vielleicht 8 Jahre, vielleicht ist sie auch schon 12, verständlich), dass sie in ein Bett fällt. 

Die sieben Kerle kommen nach Hause, entdecken den Mundraub und dass da ein Mädchen in einem ihrer Betten schläft. Sie lassen sie schlafen weil sie so schön ist (wenn sie weniger schön gewesen wäre, hätten sie sie raus geschmissen, oder?) und der eine, der seines Bettes verlustig gegangen war, schlief bei den Andern. Und zwar wechselte er jede Stunde. Er musste also sechs mal aufwachen. Am morgen war er so angepisst, dass er Sneewittchen erwürgte… nein. Die sieben hässlichen kleinen Männer fragten das schöne Mädchen ob sie ihnen den Haushalt versehen wolle, im Original: kochen, Betten machen, waschen, nähen und stricken …, also wenn das kein zweideutiges Angebot ist. Und sie sagt auch noch ja … Nun jedenfalls wird aus der Prinzessin eine Hausfrau für 7 Männer (so was wie ein Männer Harem). 

Die Stiefmutter, befragt inzwischen ihren Spiegel und dieser Überwachungsapparat sagt nicht nur dass Sneewittchen noch lebt und schöner ist, sondern auch wo sie ist. Scheint übrigens eine bekannte Adresse gewesen zu sein, das Haus der sieben Zwerge, jedenfalls verkleidet sich die Königin/Stiefmutter als Krämerin und geht strackewegs dorthin – ach ja den Jäger, der sie ja reingelegt hatte, den lässt sie komischerweise in Ruhe, sie denkt nicht mal an ihn. 

Jedenfalls verkauft sie Schnürriemen, die Krämerin. Schnürriemen, für das Korsett? Trägt Sneewittchen ein Korsett? Sonst hätte die Stiefmutter ja nicht so zuziehen können bis Sneewittchen keine Luft mehr bekommt. Oder hat die so ein Dirndl an, das ist auch hinten (oder vorne) so geschnürt ist auch ne Art Korsett, heißt nur Leibchen. Aber egal, waren ihre eigenen Schnürriemen zerschlissen oder was? Waren die Schnürriemen besonders schön (schwarzes Leder?) oder warum lässt sie sich von der Krämerin zuschnüren? War sie dumm, eitel?

Sie fällt jedenfalls in Ohnmacht, denn mehr kann es nicht gewesen sein. Als die Zwerge nach Hause kommen machen sie das Korsett auf und Sneewittchen beginnt wieder zu atmen. 

Zweiter Mordversuch: ein Kamm ins Haar gesteckt, ein vergifteter. Wie muss ich mir das vorstellen, in die Kopfhaut gepiepst?  Oder war es so ein Ninja Ding mit einer Akupunktur Nadel die irgendwelche Shakren blockiert?

Mir ist noch eine komplett andere Variante eingefallen. Die Zwerge sind nicht kleinwüchsige Männer, sondern Kinder. Kinder und Kinderarbeit in Bergwerken war (und ist) ja eine beliebte Ausbeutungsmethode. Dann würde sich also eine Art Kinderwohngemeinschaft ergeben und die verzogene Prinzessin wäre auf einmal eine Art Dienstmagd geworden (wäre sie sowieso). Man hätte an dieser Stelle eine Art Umkehr der Gesellschaftsschichten. 

Wovor aber hat die Stiefmutter Angst, dass Sneewittchen zurück kommt? Die drei Mordversuche sind auf jeden Fall sehr mystisch. Es wird jedesmal etwas abgetötet. Zuletzt der vergiftete Apfel, erinnert doch sehr an den Paradiesapfel vom Baum der Erkenntnis. Und dann gehts ja auch schnurstracks in eine Liebesbeziehung. Dieser blöde Prinz verliebt sich in eine Tote. Woher soll er wissen dass das nur ein kurzer Tod war (so wie die beiden Male davor ach nur kurze Tode waren). Und er hat noch blödere Diener die beim Sargtragen stolpern, so dass der vergiftete Apfelbiss wieder herausflutscht und damit auch die Vergiftung vorbei ist. Nichts ist unglaubwürdiger. 

Jedenfalls kann Sneewittchen sagen: Ich bin drei mal gestorben. Daraus kann man schon etwas konstruieren.

.

Miranda (aus der Sturm von W. Shakespeare) Marie Runge

ist die Tochter von Prospero dem Herzog von Mailand. Der wurde von seinem Bruder vertrieben und sollte umgebracht werden. Aber Gonzalo, ein alter Berater besorgt ihm ein Boot in dem er mit seiner kleinen Tochter und seinen (Zauber) Büchern fliehen kann. Sie kommen nach langer Irrfahrt auf einer unbekannten Insel an.

.

Kaliban (aus der Sturm von W.Shakespeare) Leo Machado

ist der Sohn einer Hexe die auf eben jener Insel gelebt hat. Sie ist bereits tot, hat aber vorher einen Luftgeist (Ariel) in einen Baum eingesperrt. Prospero befreit ihn und nimmt den jungen Wilden Kaliban unter seine Fittiche. Als dieser sich aber an Miranda heran macht verbannt er ihn aus dem Haus und degradiert ihn zum Sklaven. 

Im weiteren Verlauf des Stücks sieht er, dass seine ärgsten Feinde, also sein Bruder mit dem Mailand verfeindeten König von Neapel in einem Schiff vorbei fahren. Er lässt Ariel einen Sturm entfachen, der zwar den Schiffen nichts antut, aber alle so in Angst und Schrecken versetzt, dass sie ins Wasser springen. 

Sie werden an die Küste gespült und auf der Insel so lange von verschiedenen Geistern traktiert bis sie ganz brav und friedlich sind. Da Ferdinand der Sohn des Königs von Neapel separat an Land gekommen ist, glaubt sein Vater zunächst er sei tot. Ferdinand wird aber von Miranda am Strand gefunden und sie findet ihn auch ganz toll. Im Hintergrund sieht man aber, dass Prospero alles unter Kontrolle hat und diese Liaison geschickt fördert. 

Kaliban steht in unserer Geschichte für die Inselbewohner, die zunächst unter dem Kolonialismus zu leiden hatten und jetzt darunter, dass ihre Inseln untergehen. 

Die beiden kennen sich seit der Kindheit, sind also so etwas wie Sandkastenfreunde. Da es niemand anderes gab auf der Insel (außer ihrem Vater und dem Luftgeist Ariel), haben sie auch die Pubertät zusammen durchgemacht und sich nicht separiert in Mädchen und Jungs. Die entsprechenden Streitigkeiten konnten nur zwischen den beiden ausgetragen werden. Daraus ergibt sich, dass beide nicht wirklich ein „Frauen-“ respektive „Männerbild“ haben. Ok irgendwann kommt Ferdinand und Miranda bekommt die Chance des Vergleichens (noch mehr als sie den Rest der Schiffbrüchigen Männer kennen lernt), was Kaliban verwehrt bleibt. Das könnte jedenfalls ihr Verhältnis prägen. 

Wenn Kaliban auf Pocahontas trifft, wird er sicher erkennen, dass sie ein ähnliches Schicksal (Kolonialismus) haben. Aber auch Miranda, die ähnlich wie Albert Camus, das Herkunftsland ihres Vaters unmöglich als Heimat empfinden konnte, leidet extrem unter der Entwurzelung. Deshalb, und egal welche Streitigkeiten die beiden austragen, sind sie so unbedingt aufeinander angewiesen.    

.

Maride (aus die Präsidentinnen von W.Schwab)  Johanna Schäfer

Mariedl ist eine der drei Toilettenfrauen, zusammen mit Erna und Grete. Nachdem sie eine Fernsehübertragung einer Papstmesse gesehen haben, unterhalten sie sich über verschiedene Themen, wie bspw. Die Kinder von Erna und Grete, die sie verlassen haben  etc. Schnell fällt auf, dass Mariedl deutlich jünger ist als die anderen beiden und sehr naiv, weshalb man ihr auch unterstellen könnte, dass sie leicht zurückgeblieben ist. Als sie irgendwann über ein Volksfest phantasieren, stellen sich Erna und Grete einen Mann an ihrer Seite vor, mit welchem sie den Abend verbringen können und träumen von einem Heiratsantrag. Mariedls Traum hingegen ist, dass alle Toiletten des Volksfestes verstopft sind und dass sie zu Hilfe gerufen wird. Während sie dann ohne Handschuhe den Abfluss reinigt, findet sie darin Geschenke des Pfarrers (eine Büchse Gulasch, eine Flasche Bier und ein Parfümfläschchen). Ihre Phantasie geht noch weiter und sie das Fest gerät außer Kontrolle: Die gefundenen Männer wenden sich von Erna und Grete ab und auch Gewaltphantasien von ihren Kindern nehmen ihren freien Lauf. Mariedl sieht sich selbst währenddessen als Heilige: Der Dreck aus dem Abfluss verwandelt sich in Goldstaub und sie schwebt über dem Festplatz. Nach dieser Erläuterung schneiden Erna und Grete Mariedl die Kehle durch. 

Mariedl steht in der realen Welt für die Menschen, absurde Vorstellungen von der Zukunft haben und zugleich sehr naiv sind und denken, dass sie alles richtig machen. Sie gehen davon aus, dass sich alles von selbst regelt und lassen sich im Nachhinein als Helden feiern. 

Ist Maride so was wie die Hoffnung? Muss man dumm sein um Hoffnung zu haben? Oder was macht sie so zuversichtlich? 

.

Stückaufbau

Themenfelder / Die allgemeine Erklärung der Menschenrechte in verschiedenen Sprachen. Z.Bsp. Rumänisch. Die Menschenrechte auf alle Wesen ausweiten. Können wir Rechte für uns einfordern wenn wir sie anderen Wesen nicht auch zugestehen? 

/ Welche Hierarchie herrscht und auf was basiert sie, respektive woraus ergibt sie sich?

/ Wutmonologe, -dialoge

/ Drogen

/ Zynisch

/ Religion Glauben, welcher Glaube? Auf was basiert er und an was glaubt er, Natur? Technik? Das Überleben der Menschheit? einen Technomessias? Die Erlösung durch die Wissenschaft? 

/ Egoismen, was gibt man nicht her, weigert sich zu teilen? Wo ist der Mangel? 

/ Nachrichten (siehe Geo von 1989)  

Der TaiwatesGletscher ist zerbrochen und hat den Meeresspiegel schlagartig um 50 cm ehöht.

https://www.cleanthinking.de/forscher-warnen-vor-zersplitterung-des-thwaites-gletschers-in-der-antarktis/ 

https://www.sueddeutsche.de/wissen/gletscher-antarktis-thwaites-risse-eis-klimawandel-1.5488636 https://www.sueddeutsche.de/wissen/gletscher-antarktis-thwaites-risse-eis-klimawandel-1.5488636

Wir teilen das Stück in zwei Sektionen, die eine heißt: 

Unterwegs – Auf dem Weg in die Katastrophe

Dieser Teil wird ausschließlich filmisch erarbeitet und wenn möglich schon im Vorfeld der Vorstellungen auf VIMEO veröffentlicht. 

Der zweite heißt 

Im Lager

und betrifft alle Spielszenen

.

darsteller*innen

LUANA NICOLE JÄGER | ELISABETH JOPP | TAINAH JOPP | LEO MACHADO | VINCENT MISCH | LENI RODE | MARIE RUNGE | CHIARA SCHMELZ | LISA-MARIE SEEWALD.

.

Text    TOBIAS WINTER, ENSEMBLE

Kostüme     HANNAH SCHÜTZ 

Komposition & Musik    LUKAS OHLEMACHER

Licht    MAURICE CISEWSKI 

Bühne    ELIAS ROSENBERG / LISA MARIE SEEWALD

Kamera    ENSEMBLE

Regie Assistenz    ANNA ENGELHARD 

Grafik    NORINA MOSBAH 

.

Regie    TOBIAS WINTER

.

produktion    THEATERSCHULE IM KALKWERK 2021

.

unterstützt von

HESSISCHES MINISTERIUM FÜR WISSENSCHAFT UND KUNST im Rahmen des Workshopprogramms Kunst & Nachhaltigkeit / KLAUS SCHAEFER / KULTUR UND JUGENDFÖRDERKREIS DIEZ E.V., ALTES KALKWERK und vielen mehr…

.

Zum Herunterladen:

Exposé BJ / BJ-PH